in der Region Kronach

 Zentrale Veranstaltungen im Dekanat Kronach-Ludwigsstadt

  •  10. bis 24. November 2018

Ausstellung "Ware Mensch - wahrer Mensch" in der Synagoge Kronach

Unser Leben hat sich in den letzten 20 Jahren durch die aktuelle Variante des Kapitalismus, den sogenannten „Neoliberalismus“, deutlich verändert. Gemeingüter stehen unter Privatisierungsdruck: Eisenbahnen, Energie- und Wasserversorgung, Krankenhäuser oder auch Bildungseinrichtungen müssen Renditemöglichkeiten schaffen. Gesellschaft, Politik und Menschen werden der neoliberalen Wirtschaft untergeordnet. Markt und Wettbewerb bestimmen das Leben. Das Maß der Dinge ist nicht mehr der Mensch, sondern die Profitmaximierung. Alles ist käuflich: Schönheit, Gesundheit, Bildung, Wohlergehen, Freiheit, Spannung, Erlebnisse, Erholung …

 Auch Menschen sind heute Waren

Sie müssen sich z. B. im Arbeitsleben bis ins Alter hinein verkaufen und ihr „Angebot“ ständig verbessern und stylen. Auch Bildungseinrichtungen dienen zunehmend dem Zweck der Selbstoptimierung für den Arbeitsmarkt.

Menschliche Problemlagen wie Krankheiten, psychische Probleme, Sucht, Trauer, Verzweiflung: all das sind heute Waren, mit denen Geschäfte gemacht werden.

Soziale, medizinische, psychiatrische und pflegerische Unterstützungsleistungen sind ebenfalls Waren. Sie werden abgezählt, bewertet, berechnet. Sie müssen sich rentieren und zwar in möglichst kurzer Zeit. Man orientiert sich an dem von Wirtschaft und Politik festgelegtem Bedarf – und nicht an den Bedürfnissen der Betroffenen.

Neoliberale Politik führt zu Entsolidarisierung und Demokratieabbau

Der Spielraum, den die Wirtschaft der Politik lässt, wird in neoliberalen Zeiten immer enger. Durch Freihandelsabkommen u. ä. ist die Macht großer Konzerne erheblich gewachsen. Sie können Regierungen unter Druck setzen und dort produzieren, wo es niedrige Löhne, niedrige Steuersätzen und geringe Umweltauflagen gibt.

Regierungen konkurrieren um die Gunst der Konzerne mit möglichst geringen Auflagen und Steuern. Der Handlungsspielrauch demokratisch gewählter Parlamente wird dadurch immer geringer. Banken und Fonds entschieden vielfach über das Wohl von Staaten.

Auch Dienstleistungen aus den Bereichen Soziales und Gesundheit sollen Warencharakter annehmen und auf Märkten gehandelt werden. Viele soziale Risiken  werden nicht mehr solidarisch abgesichert. Der Anspruch auf öffentliche Daseinsvorsorge sinkt.

Demokratische Verfahren stören die Geschäfte der Neoliberalen. Auch die demokratischen Regierungen sollen marktkonform handeln und dort, wo Demokratie die Entfaltung des Marktes behindert, diese einschränken. In Europa hat folglich der Abbau demokratischer Mitwirkungsrechte zu einer „marktkonformen Demokratie“ geführt.

Müssen wir so leben?

Mit der Ausstellung und einem ergänzendem Begleitprogramm wollen wir die Auswirkungen des Neoliberalismus auf die Lebens- und Erfahrungsbereiche vor allem im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich unserer Gesellschaft veranschaulichen, zum Nachdenken darüber anregen und Alternativen formulieren.

Flagge zeigen

Wir vertreten die Meinung, dass für die beschriebenen Schieflagen nicht die Einrichtungen, nicht die Mitarbeiter*innen und auch nicht deren Vorgesetzte verantwortlich sind. Die Verantwortung liegt vielmehr bei einer Politik, die zulässt, dass Lebens- und Arbeitszusammenhänge ihrem eigentlichen Wesen und Auftrag entfremdet werden, indem sie einem Wirtschaftsmodell, das primär auf Konkurrenz und Wettbewerb beruht, unterworfen werden. Es darf jedoch nicht dabei bleiben, die Lage lediglich zu beklagen.

Vielmehr soll die Ausstellung Mut machen für einen anderen gesellschaftlichen Weg: Die letzten Ausstellungstafeln weisen auf Handlungsmöglichkeiten hin, die dazu beitragen können, den zerstörerischen Entwicklungen Einhalt zu gebieten und im Miteinander neue Wege zu beschreiten.

Die Ausstellung besteht aus 19 Tafeln

Eingangstafel

In einer einführenden Tafel wird darauf hingewiesen, dass sich unser Leben in den letzten 20 Jahren durch die aktuelle Variante des Kapitalismus, den  sogenannten „Neoliberalismus“, deutlich verändert hat. Gesellschaft, Politik und Menschen werden der neoliberalen Wirtschaft untergeordnet. Markt und Wettbewerb bestimmen das Leben. Das Maß der Dinge ist nicht mehr der Mensch, sondern die Profitmaximierung.

Bildtafeln

Die Auswirkungen des Neoliberalismus in den unterschiedlichen Praxisfeldern werden beispielhaft in zwölf, mit kurzen Texten versehenen, Bildtafeln veranschaulicht.

  1. Sozialpädagogische Beratung – Abfertigung nach Schema F
  2. Stationäre Altenpflege –Gewinnoptimierung kontra Menschenwürde
  3. Krankenhaus – Behandeln im Akkord
  4. Psychiatrie – Hauptsache ruhig gestellt
  5. Jugendarbeit –Selbstentfaltung war gestern
  6. Schule – Lernziel Verwertbarkeit
  7. Hochschule – Freier Geist adé
  8. Straffälligenhilfe – Ausschluss statt Anschluss
  9. Jugendamt – Endstation Verwaltung
  10. Jobcenter – Einstieg in den Abstieg
  11. Behindertenhilfe – Rückfall in „satt und sauber“
  12. Kindertagesstätte – Von klein auf im Wettbewerb

Abschlusstafeln

Den Abschluss bilden drei Texttafeln.

Zwei Tafeln stehen unter der Überschrift “Wie wir leben wollen“ und machen dies für die Bereiche

  • Wirtschaft,
  • Menschenbild,
  • Politik,
  • Bildungswesen,
  • Gesundheitswesen,
  • Soziale Arbeit deutlich.

Die letzte Tafel „Was wir tun können“ soll Mut machen, Alternativen zu entwickeln, zu leben und sich für eine andere Gesellschaft politisch zu engagieren.

Die Ausstellung wurde von einer Projektgruppe an der Hochschule in Emden/Leer in Zusammenarbeit mit Attac initiiert und zum Teil ausgestaltet. Wir vom Bildungswerk werden sie durch eigenes Material ergänzen und bemühen uns außerdem um Exponate von Mission EineWelt, die eine Ausstellung zum gleichen Thema anbietet.

Es ist geplant, die Ausstellung an drei verschiedenen Orten in unseren Einzugsbereich, nämlich in Lichtenfels, Kronach und Ludwigsstadt der Öffentlichkeit zu präsentieren und mit einem attraktiven Begleitprogramm anschaulich zu machen. Wir denken dabei an Vorträge, Diskussionsabende, Filmvorführungen, Gruppenführungen für interessierte Kreise und Schulklassen, Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit.